Am 3. August 2008 war es nahe der antarktischen Neumayer-Station zwischen minus 33 und minus 43 Grad Celsius kalt. Kaiserpinguine standen dort in dichten Gruppen beieinander. Viele Männchen trugen zu dieser Zeit ein Ei. Eng zusammenzurücken hilft ihnen, unter solchen Bedingungen Wärme zu bewahren.
In einer dieser Ansammlungen war es so voll, dass sich ein einzelner Vogel kaum unabhängig von seinen Nachbarn bewegen konnte. Würde jeder einfach in irgendeine Richtung losgehen, geriete die Formation durcheinander. Trotzdem blieb die Gruppe nicht auf Dauer unbeweglich.
Ein Forschungsteam um Daniel Zitterbart filmte die Vögel aus größerer Entfernung und untersuchte ihre Positionen mit Zeitrafferaufnahmen. Vier Stunden Beobachtungszeit und Bilder in Abständen von ungefähr 1,3 Sekunden machten Bewegungen sichtbar, die bei gewöhnlicher Betrachtung leicht übersehen werden konnten.
Die Forscher beobachteten, dass die Tiere ungefähr alle 30 bis 60 Sekunden kleine Schritte von fünf bis zehn Zentimetern machten. Diese Bewegung trat nicht ungeordnet überall gleichzeitig auf, sondern breitete sich als gerichtete Welle durch das Gedränge aus. Die gemessene Ausbreitung lag bei etwa zwölf Zentimetern pro Sekunde. Danach standen die Tiere wieder eng zusammen.
Ein einzelner dieser Schritte verändert wenig. Wiederholen sich die Wellen jedoch über längere Zeit, kann sich die Gruppe als Ganzes verschieben und mit anderen Ansammlungen verbinden. Die Nachbarschaft einzelner Vögel bleibt dabei im Allgemeinen erhalten. Tiere schließen sich eher am hinteren Ende an und verlassen die Gruppe eher vorn; eine regelmäßige Rotation jedes Tieres vom Rand zur Mitte wurde damit nicht nachgewiesen.
Die Physiker verglichen das Verhalten mit eng gepackten Materialien, die unter bestimmten Bedingungen ebenfalls kaum fließen können und sich erst durch abgestimmte kleine Verschiebungen neu ordnen. Der Vergleich beschreibt die Bewegung, nicht die inneren Absichten der Pinguine.
Die Beobachtung belegt kein unveränderliches Zeitprogramm aller Kaiserpinguine auf der Erde. Untersucht wurde eine bestimmte Kolonie in einem bestimmten Zeitraum. Gerade das genügt für die bemerkenswerte Erkenntnis: Unter Bedingungen, die Bewegung nahezu unmöglich machen, reichen kleine aufeinander abgestimmte Schritte aus, um dicht stehende Gruppen beweglich zu halten.
Die Messungen charakterisieren die untersuchte Kolonie, keine weltweiten Mittelwerte. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Welle ist nicht die Geschwindigkeit der gesamten Gruppe. Die Studie beschreibt weitgehend erhaltene Nachbarschaften und keinen garantierten Platztausch jedes Tieres zwischen Rand und Zentrum.
Datenstand: Historische Beobachtung / Quellenabgleich 23.10.2026
Wie wir das wissen
Originalstudie 2011: Kolonie mit ungefähr 2.000 Tieren bei Neumayer, Aufnahme am 3. August 2008; vier Stunden, Bildabstand etwa 1,3 s. Kleine Schritte: 5–10 cm, Wiederholung etwa alle 30–60 s. Welle: ungefähr 12 cm/s; für einen hypothetischen Weg von 1 m braucht diese Welle rund 8,3 s. Das ist kein gemessener 1-m-Weg eines Pinguins.
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