Der verbreitete Irrtum: Glas ist eine zähflüssige Flüssigkeit, die über Jahrhunderte zum Fensterboden fließt.
In historischen Gebäuden findet man Fensterscheiben mit ungleichmäßiger Dicke. Einige sind unten stärker als oben. Das hat die Vorstellung populär gemacht, Glas fließe bei Raumtemperatur allmählich nach unten. Das Corning Museum of Glass erklärt jedoch, dass die ungleiche Dicke schon bei der Herstellung entstand. Vorindustrielle Techniken produzierten keine vollkommen ebenen Scheiben wie heutige Verfahren.
Glas ist in seiner Struktur zwar anders aufgebaut als ein gewöhnlicher Kristall, verhält sich bei Raumtemperatur aber als fester Stoff. Jahrhundertealte Objekte zeigen keine solche Fließbewegung. Das Museum verweist sogar auf Untersuchungen, in denen die Wirkung langer Zeiträume simuliert wurde. Wer durch ein altes Fenster blickt, sieht also eher Spuren früher Handwerkskunst als ein Material, das im Zeitraffer nach unten kriecht.
Der Begriff „amorpher Festkörper“ ist präziser als die vereinfachende Behauptung einer bei Raumtemperatur flüssigen Substanz.
Datenstand: Redaktioneller Abgleich: 21.10.2026; Studienjahre und Datenbezüge im Text.
