Welt des Staunens

Erde & Umwelt

Welche gewaltige Wanderung findet jede Nacht im Meer statt?

Am Tag kann ein Echolot in größerer Meerestiefe eine ausgedehnte Zone anzeigen, die den Schall stark zurückwirft. In der Nacht verschiebt sie sich vielerorts nach oben. Lange mussten Forschende lernen, was ihre Geräte hier sichtbar machten: kein zweiter Meeresboden, sondern eine riesige Zahl lebender Organismen, die sich gemeinsam durch die Wassersäule bewegen.

Dazu zählen verschiedene Zooplanktonarten sowie kleine Fische, Krebse und andere Tiere. Viele verbringen die hellen Stunden in tieferen, dunkleren Bereichen, wo sie von Feinden, die auf Sicht jagen, weniger leicht entdeckt werden. Bei Dunkelheit steigen sie in oberflächennahe Wasserschichten, die häufig mehr Nahrung enthalten. Noch bevor es wieder hell wird, beginnt die Rückkehr. Das Verhalten wird als tägliche oder tagesperiodische Vertikalwanderung bezeichnet.

Die Einzelwege sind je nach Art, Region, Tageslänge und Wassertiefe verschieden. Es gibt keine weltweite Kolonne, die jeden Abend exakt dieselben 500 Meter zurücklegt. Auch die Richtung und der Zeitpunkt unterscheiden sich: Manche Arten folgen der Dämmerung, andere reagieren auf Raubtiere, Temperatur oder verfügbare Nahrung. Dennoch ist das Gesamtphänomen so verbreitet, dass die US-Meeresforschungsbehörde NOAA es als die größte Wanderungsbewegung auf der Erde beschreibt.

Auch die Bedeutung geht über die Frage hinaus, wer nachts wen frisst. Tiere nehmen in den oberen Schichten Nahrung auf und transportieren mit ihrem Stoffwechsel Kohlenstoff in größere Tiefen. Dieser biologische Transport ergänzt das Absinken abgestorbener Organismen und anderer Teilchen. Wie viel Kohlenstoff dabei tatsächlich über längere Zeit im Tiefenwasser verbleibt, hängt von Region und Artengemeinschaft ab; eine einzige globale Zahl lässt sich daraus nicht seriös ableiten.

An der Oberfläche kann währenddessen ein Schiff vorbeifahren, ohne von dem Geschehen etwas zu bemerken. Erst Sonarmessungen und Netzproben machen die Bewegung sichtbar. Der Ozean besteht daher nicht bloß aus einer oberen, beleuchteten Schicht und darunter unbewegtem Dunkel. Jeden Tag verbinden Tiere die verschiedenen Tiefen miteinander.

Genau genommen
„Größte Wanderung“ ist eine qualitative Einordnung der beteiligten Biomasse und Zahl, kein einheitlich gemessener globaler Rekordwert. Arten und Tagesmuster unterscheiden sich; nicht alle Planktontiere migrieren.

Datenstand: zeitunabhängiger Fachbefund; Quellenabgleich 21.10.2026

Rechenweg und Beobachtungsdaten

Milliarden bis Abermilliarden Organismen; Mesopelagial grob 200–1.000 m (Zonen-Definition), aber konkrete tägliche Wanderungswege können deutlich kürzer oder länger sein; keine fiktive globale Gesamttonnage.

Das ergänzende Experiment oder Schaubild ist mit JavaScript verfügbar.

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