Der Sternmull ist ein kleiner nordamerikanischer Maulwurf mit auffälligen, sternförmig angeordneten Hautfortsätzen an der Schnauze. Diese dienen vor allem dem Tastsinn. Aber das Tier besitzt noch eine andere Fähigkeit, die lange kaum jemand für möglich gehalten hatte: Es kann beim Tauchen Geruchsinformationen aufnehmen.
Bei landlebenden Säugetieren gelangen Duftmoleküle gewöhnlich mit der eingeatmeten Luft zur Riechschleimhaut. Unter Wasser ist das ein Problem. Der Zoologe Kenneth Catania beobachtete und untersuchte deshalb 2006, was Sternmulle bei der Suche nach Nahrung tatsächlich mit der Nase machen. Sie blasen winzige Luftblasen an Gegenstände oder eine Geruchsspur und ziehen diese unmittelbar wieder in die Nasenöffnungen. Die Blase nimmt an ihrer Grenzfläche Geruchsstoffe auf. Beim Zurückschnuppern gelangt diese Information an den Riechapparat.
Catania beschrieb das Verhalten auch bei einer zweiten Art, der Wasserspitzmaus. Besonders eindrücklich waren Aufnahmen, in denen eine Blase ein Objekt berührte und anschließend wieder eingesogen wurde. Das Verfahren verbindet eine gewöhnliche Säugetiernase mit einer ungewöhnlichen Nutzung der Luft, die das Tier ohnehin mit sich führt.
Man sollte das nicht mit dem chemischen Sinn eines Fisches gleichsetzen, der gelöste Stoffe unmittelbar im Wasser wahrnimmt. Das Säugetier benutzt weiterhin seine luftabhängige Nase; die Luftblase vermittelt lediglich die Geruchsstoffe. Ebenso wenig bedeutet der Befund, dass alle tauchenden Säugetiere so vorgehen.
Die Entdeckung zeigt, wie wenig selbstverständlich die Grenzen unserer Sinne sind. Für einen Menschen, der beim Tauchen die Luft anhält, wirkt Riechen unter Wasser unmöglich. Ein Sternmull schafft es, indem er eine winzige Luftblase als Transportmittel einsetzt.
Untersucht wurden Sternmull und Wasserspitzmaus; kein Beweis für generelles Unterwasserriechen aller Säuger. Die Sternfortsätze der Nase sind primär Tastorgane; der Geruch läuft über das olfaktorische System.
Datenstand: Studie 2006; Quellenabgleich 21.10.2026
Versuchsaufbau und Zahlen
Catania 2006; Blase an Objekt oder Spur, anschließendes Wiederansaugen; keine ungesicherten Distanz- oder Erfolgsquoten.
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