Welt des Staunens

Erde & Umwelt

Kann eine riesige Welle unter der Meeresoberfläche verborgen bleiben?

Von einem Schiff aus erkennt man Windwellen am Auf und Ab der Oberfläche. Unter dem Schiff können zugleich noch größere Wellen unterwegs sein, die sich kaum direkt sehen lassen. Sie bewegen sich im Inneren des Ozeans, wo Wasserschichten unterschiedlicher Dichte aufeinandertreffen. Das ist möglich, weil warmes, oft salzärmeres Wasser über kälterem oder salzigerem liegen kann. Zwischen diesen Schichten kann eine Welle entstehen, ähnlich wie an der Grenze zwischen Luft und Wasser.

Ein internationales Team untersuchte dieses Phänomen im südchinesischen Meer. Die 2015 in Nature veröffentlichte Studie kombinierte Beobachtungen mit physikalischen Modellen und dokumentierte im Entstehungsgebiet der Luzonstraße brechende innere Wellen von mehr als 200 Metern Höhe. Das bedeutet keine 200 Meter hohe Wasserwand an der Oberfläche. Gemeint ist die vertikale Auslenkung beziehungsweise Verformung einer inneren Wasserschicht.

Die Hauptenergie stammt dort aus den Gezeiten. Strömendes Wasser trifft auf die komplizierte unterseeische Landschaft, wird angeregt und erzeugt Wellen, die sich weiter ausbreiten. Die Luzonstraße zwischen Taiwan und den Philippinen ist dafür besonders geeignet. Während die Wellen nach Westen ins südchinesische Meer ziehen, verändern sie ihre Form; ein Teil ihrer Energie wird schließlich durch Turbulenz und Durchmischung abgegeben.

Die 2015er Arbeit berichtete außerdem, dass die Turbulenz im untersuchten Entstehungsbereich zeitweise mehr als zehntausendmal so intensiv sein konnte wie in Vergleichsbereichen des offenen Ozeans. Auch hier ist die räumliche Begrenzung wichtig. Es ist kein Wert für jede innere Welle und schon gar nicht für das gesamte Meer.

Innere Wellen interessieren Ozeanografen, weil sie Wärme und gelöste Stoffe zwischen Wasserschichten verteilen können. Für Klimamodelle ist die Durchmischung des Ozeans eine wichtige, schwer zu erfassende Größe. Wer auf einer Seekarte nur die Meeresoberfläche betrachtet, erhält also ein unvollständiges Bild: Ein Teil der bedeutendsten Wellenbewegungen spielt sich darunter ab, unsichtbar für die Augen, messbar mit Instrumenten.

Genau genommen
„Mehr als 200 m“ beschreibt eine innere Wasserwelle bzw. Auslenkung von Dichteschichten in der Luzonstraße, keine frei sichtbare Wasserwand. Nature-Korrigendum 2015 betrifft Autoren-Schreibweise, nicht den Messbefund.

Datenstand: 2015; Quellenabgleich 21.10.2026

Rechenweg und Beobachtungsdaten

Nature-Studie Alford et al. 2015: >200-m-brechende innere Wellen und örtlich >10.000-fache Turbulenz (Vergleichsmaß innerhalb Studie). Fachliches Modell abhängig von Schichtung und Ort.

Das ergänzende Experiment oder Schaubild ist mit JavaScript verfügbar.

Das Wissensmagazin für Neugierige

Es gibt noch so viel
zu entdecken.

Ein überraschender Gedanke kann überall warten. Im Weltall, in der Geschichte oder direkt vor deiner Nase.

Ein kleiner Oktopus zwischen einer Kokosnussschale und einer Muschel.
Natur & Tiere

Wie viele Herzen hat ein Oktopus?

Acht Arme sieht man sofort. Im Inneren dieses Tieres wird es ungewöhnlicher.

Beitrag lesen →

Die Skalenwelt

Die Welt in anderen Maßstäben

Erlebe, wie groß, klein oder weit entfernt Dinge wirklich sind – mit anschaulichen Vergleichen, die du selbst sichtbar machst.

Größen entdecken

Wissen entdecken

Worüber möchtest du staunen?

Jede Rubrik öffnet eine andere Tür.

Eine Wissensserie · zwölf Folgen

Unser erstaunlicher Körper

Was in uns geschieht, während wir unseren Alltag leben. Zwölf Entdeckungen über unseren Körper, seine Leistungen und unsere Sinne.

Zur Serie

Unsere Erzählserie

Nichts ist, wie es scheint

Geschichten von falschen Spuren und überraschenden Erklärungen.

Zur Serie

Lust auf eine kleine Wissensrunde?

Fünf Fragen quer durch die Welt.

Zum Quiz

Deine Nachricht an uns

Damit wir dir antworten können. Keine Bestätigung per E-Mail erforderlich.

0 von 50 Wörtern

Wir verwenden deine Angaben zur Bearbeitung deiner Nachricht. Datenschutz zum Kontaktformular