Eine Fledermaus sendet hochfrequente Rufe aus und empfängt deren Echo. Aus den zurückkommenden Signalen gewinnt sie Hinweise auf Entfernung und Bewegung eines Insekts. Für die Beute scheint das ein gewaltiger Nachteil zu sein. Aber manche Nachtfalter hören die Fledermausrufe und reagieren selbst mit Ultraschall.
Aaron Corcoran und Kollegen untersuchten 2009 die Bärenspinnerart Bertholdia trigona. Die Motte kann eine besonders dichte Folge kurzer Ultraschallklicks erzeugen. In Experimenten jagten Große Braune Fledermäuse nach Faltern, deren Klicklaute entweder zu hören waren oder gezielt unterbunden wurden. Stumme Tiere wurden von den Fledermäusen häufig gefangen. Bei klickenden Motten misslangen Angriffe deutlich öfter.
Die entscheidende Frage war, warum das funktioniert. Ultraschalllaute könnten Räuber erschrecken oder signalisieren, dass ein Falter ungenießbar ist. Die Forschenden verglichen daher, ob das Angriffsverhalten im Verlauf der Begegnungen nachließ oder die Fledermäuse sich an einen Warnreiz gewöhnten. Das Muster der Versuche sprach stattdessen für eine Störung der Echoortung. Spätere Analysen der Flugbahnen und Rufe untersuchten genauer, wie die Klickserien die Entfernungsbestimmung beeinflussen.
Das ist kein gewöhnliches Verstecken. Die Motte lässt sich durch die Schallwellen der Fledermaus zwar entdecken, beeinträchtigt aber die Verarbeitung der zurückkehrenden Echos. Dadurch werden präzise Angriffe schwieriger. Welche Ultraschallklicks andere Mottenarten abgeben und welche davon tatsächlich stören, ist eine jeweils eigene Forschungsfrage.
Wenn wir an den Wettlauf zwischen Räuber und Beute denken, fallen uns schnelle Beine, Panzer oder Tarnfarben ein. Bei dieser Motte findet ein Teil der Auseinandersetzung in Frequenzen statt, die Menschen gar nicht hören. Die Verteidigung greift den Orientierungssinn des Jägers an.
Nachgewiesen für Bertholdia trigona im beschriebenen Fledermaus-Versuchsaufbau; nicht jede Motte „stört Sonar“. Mehrere Funktionen von Insekten-Ultraschall sind möglich.
Datenstand: Studie 2009; Quellenabgleich 21.10.2026
Versuchsaufbau und Zahlen
Corcoran et al. 2009: aktiver Ultraschall versus stummgeschaltete Tiere; Folgearbeit 2011 untersucht akustischen Mechanismus. Keine frei erfundenen Abwehrquoten.
Das ergänzende Experiment oder Schaubild ist mit JavaScript verfügbar.
