Wenn sich eine Stechmücke nähert, haben wir oft den Eindruck, sie folge unmittelbar der Wärme unserer Haut. Ganz so einfach ist es nicht. Ein Tier muss aus mehreren Hinweisen erkennen, wo sich ein geeigneter Wirt aufhält. Ausgeatmetes Kohlendioxid, Körpergerüche, sichtbare Reize und Wärme spielen dabei zusammen.
Ein Forschungsteam um Avinash Chandel und Craig Montell untersuchte 2024 die Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Die Forschenden stellten den Weibchen in Versuchskäfigen zwei Bereiche gegenüber. Hinter dem einen befand sich eine auf ungefähr 34 Grad Celsius erwärmte Fläche, die Wärmestrahlung wie menschliche Haut abgab. Der andere Bereich war kühler. Die Anordnung sollte die Strahlung von warmer Luft und direkter Berührung unterscheiden.
Wenn die Mücken zusätzlich menschlichen Geruch und Kohlendioxid wahrnahmen, bevorzugten sie deutlich den Bereich mit thermischer Infrarotstrahlung. Wurde die Strahlung durch geeignete Materialien abgeschirmt, verschwand die Bevorzugung weitgehend. Bei Versuchen mit genetisch veränderten Mücken fanden die Forschenden außerdem Hinweise auf einen beteiligten Wärme-Rezeptorkanal namens TRPA1 an den Antennen. Weitere lichtempfindliche Proteine verbesserten die Reaktion auf schwächere Strahlung.
Dabei „sehen“ die Mücken keine Wärmebilder wie eine Spezialkamera. Die Studie legt vielmehr nahe, dass Strahlung die empfindliche Antennenspitze erwärmt und dadurch Nervenzellen aktiviert. Vor allem wirkte die Strahlung nicht als alleiniger Suchreiz; ohne weitere Wirtsmerkmale blieb die Reaktion schwach.
Die Entdeckung erklärt ein weiteres Puzzlestück bei der Frage, weshalb diese Mücken Menschen so effektiv finden. Sie bedeutet nicht, dass jede Stechmückenart den gleichen Mechanismus nutzt, und sie liefert keinen einfachen Trick zur vollständigen Mückenabwehr. Interessant ist die Kombination: Was für uns nur die unsichtbare Wärmeabgabe unserer Haut ist, wird für ein Insekt zur zusätzlichen Richtungsinformation.
Gezeigt für weibliche Aedes aegypti in einer Versuchsanordnung; Wirkung der IR-Strahlung in Kombination mit CO₂/Geruch, nicht isoliert. Keine Gleichsetzung mit bildgebender Infrarotsicht; keine ungetesteten Präventionsratschläge.
Datenstand: Studie 2024; Quellenabgleich 21.10.2026
Versuchsaufbau und Zahlen
2024; IR-Quelle etwa 34 °C; Umgebung ca. 29,5 °C; Käfig 4 cm von Wärmestrahlungsfläche getrennt; TRPA1-Beteiligung. Keine pauschale 70-cm-Reichweite ableiten.
Das ergänzende Experiment oder Schaubild ist mit JavaScript verfügbar.
