Bei einem Versuch müssen Bienen zwischen zwei Bildern wählen. Auf jedem sind unterschiedlich viele geometrische Elemente zu sehen. Eine richtige Entscheidung führt zu einer Belohnung. Die Tiere lernen, dass die Karte mit weniger Elementen die bessere Wahl ist. Was geschieht, wenn eine der Karten überhaupt kein Element zeigt?
Die Forscherinnen und Forscher um Scarlett Howard untersuchten diese Frage 2018 mit Honigbienen. Zunächst trainierten sie einzelne Tiere mit Mustern aus einem bis sechs Elementen. Einige sollten die größere, andere die kleinere Anzahl wählen. In späteren Tests erschien eine Karte, auf der gar kein Element abgebildet war. Die auf „weniger“ trainierten Tiere konnten diese leere Menge unter die sichtbaren Anzahlen einordnen.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, verlangt aber eine bemerkenswerte Übertragung. Die Biene hatte gelernt, sichtbare Mengen miteinander zu vergleichen. Nun musste sie die Regel auf das Fehlen aller Elemente anwenden. Besonders interessant war, dass ihre Entscheidungen davon abhingen, wie weit die verglichenen Mengen auseinanderlagen. Ein Unterschied zwischen null und mehreren Elementen war leichter als der zwischen null und eins. Ein solcher Abstandseffekt ist auch aus anderen Untersuchungen zur Mengenverarbeitung bekannt.
Man sollte daraus keinen winzigen Mathematiker machen. Das Experiment zeigt weder, dass Bienen mit der Ziffer 0 rechnen, noch dass sie menschliche Zahlensysteme kennen. Es geht um die leere Menge und ihre Stellung in einer erlernten Größenordnung. Dennoch liegt darin der Anlass zum Staunen: Ein Tier mit einem sehr kleinen Gehirn kann in einer experimentellen Aufgabe eine abstrakte Regel über das hinaus anwenden, was zunächst sichtbar trainiert wurde.
Wer im Alltag eine leere Schale als „weniger als eine“ erkennt, hält das kaum für eine besondere Leistung. Die Honigbiene musste genau diese Entscheidung ohne Sprache und ohne geschriebene Zahlen treffen.
Die Studie verwendet visuelle Mengenreize und trainierte Tiere; daraus folgt kein Nachweis eines menschlichen mathematischen Nullbegriffs oder symbolischen Rechnens.
Datenstand: Studie 2018; Quellenabgleich 21.10.2026
Versuchsaufbau und Zahlen
2018; Trainingsmengen 1–6 Elemente; Kerneffekt ist die Übertragung auf ein Bild mit 0 Elementen, nicht das Lesen der Ziffer „0“.
Das ergänzende Experiment oder Schaubild ist mit JavaScript verfügbar.
