Ein Süßwassersee kann an seiner Oberfläche Eis bilden, wenn das Wasser ungefähr null Grad Celsius erreicht. Im Meer müssen die Temperaturen in polaren Regionen häufig noch ein gutes Stück tiefer fallen. Grund dafür sind die gelösten Salze. Für salzhaltiges Wasser mit ungefähr 32 PSU – einer gebräuchlichen Angabe der Salinität – nennt das National Snow and Ice Data Center einen Gefrierpunkt von etwa minus 1,8 Grad Celsius.
Beim Gefrieren passiert außerdem etwas, das leicht übersehen wird: Das Salz verschwindet nicht mit dem Wasser im Eiskristall. Die entstehenden Kristalle bestehen überwiegend aus Süßwasser. Ein Teil der konzentrierten Salzlake wird zwischen den Kristallen eingeschlossen, anderes sehr salziges Wasser wird in den Ozean zurückgedrängt. Deshalb ist Meereis keineswegs einfach gefrorenes Meerwasser mit unveränderter Zusammensetzung.
Die ausgeschiedene Salzlake kann das umgebende Wasser salziger und damit dichter machen. Solches Wasser kann absinken und zur Durchmischung tiefer Wasserschichten beitragen. Die genaue Bedeutung hängt vom Ort ab und gehört zu einem größeren Zusammenspiel aus Wind, Temperatur, Salzgehalt und Meeresströmungen. Wer nur auf die Eisdecke schaut, verpasst einen Teil des Geschehens darunter.
Auch das Aussehen der Eisbildung ist überraschend. Zunächst können winzige Eiskristalle im Wasser entstehen, sogenanntes Frazil-Eis. Erst nach und nach sammeln und verbinden sich die Kristalle an der Oberfläche. Frisches Meereis enthält noch Salztaschen und Kanäle; über die Zeit kann Salzlake abfließen. Deswegen unterscheiden sich junges und altes Meereis in ihrer Struktur und im Salzgehalt.
Die Zahl minus 1,8 Grad ist kein unveränderlicher Schalter für alle Küsten der Welt. Der Gefrierpunkt hängt von der Salinität ab, ebenso von den physikalischen Bedingungen. Flusswasser kann zum Beispiel die Salinität in Küstennähe stark verändern. Als Größenordnung macht der Wert jedoch gut sichtbar, wie sehr eine alltägliche Beimischung den Zustand eines ganzen Ozeans beeinflusst.
−1,8 °C gilt näherungsweise für etwa 32 PSU, nicht für jedes beliebige Meerwasser; bei anderem Salzgehalt anderer Gefrierpunkt. Eiskristalle stoßen den Großteil, nicht sämtliches Salz ab.
Datenstand: zeitunabhängiger Fachbefund; Quellenabgleich 21.10.2026
Rechenweg und Beobachtungsdaten
NSIDC: 32 PSU ≈ −1,8 °C; Faustwert pro +5 PSU sinkt Gefrierpunkt um ≈0,28 °C (nur im dort genannten Bereich). PSU ist keine wörtliche Prozentangabe.
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